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Balkan
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Rila
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StadtRila Kloster
Thrakische Ebene
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Bulgarien


Mit 10 Jahren war ich das erste Mal in Bulgarien, aber meine Erinnerungen daran beschränken sich weitestgehend auf Tauchen im Schwarzen Meer. Also wollte ich nochmal dahin. Aber wo fährt man hin, wenn man die Gegend nicht kennt? Also habe ich eine Rundreise rausgesucht und gebucht. Vielleicht nicht die billigste Art Urlaub zu machen, aber wir haben wirklich viele sehr unterschiedliche Gegenden in Bulgarien kennengelernt. Dazu hatten wir auch noch einen Reiseleiter, der unglaublich viel über Bulgarien, die Einwohner und Geschichte zu erzählen wußte.
Bei leichtem Regen kamen wir in Sofia an und machten einen kleinen Stadtrundgang. Wie in fast allen bulgarischen Städten, gibt es auch in Sofia eine ganze Reihe von Skulpturen und Denkmälern, viele davon mit geschichtlichem Hintergrund insbesondere aus der Zeit der Unabhängigkeitskriege. Der Kopf erinnert an das Attentat auf Stefan Stambolov - einen der Unabhängigkeitskämpfer, der später auch Ministerpräsident wurde. Er starb wenige Tage nach dem Attentat an den Kopfverletzungen.
In Sofia findet man Spuren unterschiedlichster Kulturen und Zeitalter. Neben griechischen und römischen Einflüssen findet man auch viele Spuren die von der Freundschaft zu den Russen zeugen. Kein Wunder - haben die Russen doch Bulgarien von langjähriger türkischer Herrschaft befreit. Die Alexander Nevski Kirche ist ein Beispiel der russischen Spuren. In der Nähe des Parlaments befinden sich die Überreste einer alten römischen Basilika.
Das Nationaltheater in Sofia (4.Bild) wurde nach Ivan Vasov benannt, der auch als "Patriarch der bulgarischen Literatur" bezeichnet wird. Er war ein bulgarischer Historiker, Schriftsteller, Politiker und einer der Aktivisten der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt.
Nach der kurzen Tour durch Sofia ging es mit dem Bus nach Samokov, der Stadt der Schmiede. So genannt wegen der frühen Eisenerzgewinnung und insbesondere später durch neu eingeführte Hammerschmieden und Blasebalgen zur Nutzung der reichlich vorhandenen Wasserenergie. Durch die Nähe zum Rilagebirge ist der Ort guter Ausgangspunkt für Wanderungen. Die erste Wanderung (11700 Schritte) führte von der Höhle Ivan Rilskys zum Rilakloster und die zweite (hier mussten wir den Schrittzähler wechseln, da ich das Gefühl hatte, bei mir zählt er nicht richtig; 12600 Danielschritte) Richtung Maljoviza. Wobei Maljovize sowohl einen Berg, als auch einen Ort und ein Fluß bedeuten kann; ich rede von dem Berggipfel.
Rilsky Höhle Rila Kloster Maljovize Fluß Absatz beim Maljovize
Nach der Wanderung zum Maljovzie ging es direkt weiter mit dem Bus zum nächsten Gebirge, den Rhodopen. Wir fuhren durch Assenovgrad, wo ein Brautladen an den nächsten grenzt. Unser Reiseführer erklärte, dass vor der Wende jede (größere) Stadt für etwas bestimmtes bekannt war. Bei Assenovgrad ist es die Herstellung von Brautkleidern. Weiter ging es jedoch bis zum Ort Chepelare.
15089 Danielschritte führten uns am nächsten Tag zu den "wundersamen Brücken", einer Felsformation, die von Wasser ausgewaschen wurde und so natürliche riesige Brücken formte. Eine unglaubliche Anzahl an Orchideen fanden wir auf dem Weg dorthin, sogar wild wachsende Türkenbundlilien! Anschließend machten wir noch dem Abstecher zum Batschkovo-Kloster, den wir aufgrund der längeren Busfahrt am Vortag nicht geschafft hatten. Da man in Bulgarien in eigentlich jeder Kirche, jedem Museum und natürlich auch in den Klöstern Geld fürs Fotografieren bezahlen muss, habe ich innen kaum Fotos gemacht. Daher gibt es auch kein Bild von dem Refugium, das rundrum bemalt ist. Es weist auch einen Besonderheit auf, die durch den griechischen Einfluß zu erklären sein mag - es sind 12 griechische Gelehrte und Philiosophen als Apostel (aber ohne Heiligenschein) an die Wände gemahlt, die aufgrund ihrer Werke auch als Ursprünge der christilichen Lehre gesehen werden.
Im Hof befindet sich auch ein kleiner Stall mit (üblicherweise) zwei Schafen, wir haben nur eins gesehen. Diese werden gelegentlich von Gläubigen gekauft und sofort wieder dem Kloster geschenkt. Die älteste Kirche auf dem Gelände war leider geschlossen, weil die Wandmalereien schon so sehr gelitten haben, eine weitere - mit Malerein von Sograf - wird gerade restauriert. In der dritten Kirche waren kaum noch die Wandmalerein zu erkennen, da wegen dem Ruß der Kerzen schon fast alles schwarz war.
Am nächsten Tag ging es zuerst mit dem Bus nach Gale (einem kleinen Ort) und von dort durch Wald und über Wiesen nach Shiroka Laka - 19600 Schritte. Insbesondere in Shiroka Laka, aber auch an den Straßen haben wir viele Leute gesehen, die Kristalle verkaufen und in Chepelare waren wir anschließend auch noch in einem Höhlenmuseum. Die Gegend ist dort sehr reich an Mineralien.
Dann ging es zurück in die thrakische Tiefebene nach Plovdiv und dann bei über 30° Stadtbesichtigung...
Allein schon die Erwähnung des ganzjährig milden Klimas und der 6 Hügel, auf denen Plovdiv erbaut ist, kann einen schlimmes erahnen lassen - zumindest für einen Besuch im Hochsommer. Ansonsten wird Plovdiv als eine der schönsten Städte Bulgariens bezeichnet. Und zumindest das kulturelle Angebot scheint wirklich sehr schön zu sein. Das alte Amphitheater wird nach wie vor für Aufführungen genutzt, es gibt eine sehr langgezogene Einkaufszone, und neben den "ganz alten Steinen" auch sehr schöne Bürgerhäuser, die zum Teil Museen beherbergen. Insbesondere das ethnologische Museum ist sehens wert. Die schönen Holzdecken, Sammlungen von Trachten und Römen, in denen das Leben in unterschiedlichen Bevölkerungsschichten gezeigt wird ist sehr schön. Einziger Nachteil ist die sehr sparsame Ausschilderung. Zum Teil ist sie nur auf Bulgarisch und oft wird lediglich erwähnt, um was es sich handelt, aber keine Zusammenhänge erklärt. Dennoch auf jeden Fall empfehlenswert.
Erwähnenswert ist auch die Kirche Sveti Konstantin i Elena, die sehr schöne Holzschnitzereien vorweisen kann. Vielleicht noch ein kurzes Wort zum Schuhwerk: vor allem in der Altstadt überwiegt altes Kopfsteinplaster, Wanderschuhe sind also auch dafür durchaus keine schlechte Wahl. (Aufgrund der hohen Temperaturen haben wir dann doch eher ausgedehnte Pausen gemacht, daher nur etwas über 11000 Schritte)
thrakisches Denkmal Katze Sonnenblumenfeld Schipka Pass
Am Tag darauf ging es durch das Rosental zum Schipka Pass. Leider war von den Rosen nicht mehr viel zu sehen, dazu hätten wir im Mai fahren müssen. Aber immerhin gab es riesige Felder mit Sonnenblumen! Bei einem thrakischen Denkmal sind wir dann aber doch dazu gekommen, Produkte mit dem kostbaren Rosenöl zu kaufen.
Das thrakische Denkmal in Kazanluk war nicht sehr groß, aber so kostbar, dass man sich entschlossen hat davon eine Kopie zu bauen, die die Touristen begehen können. Man fragt sich, wie sie es dort überhaupt geschafft haben, eine angesehene Person mit ausreichend Pomp zu begrabem, wir haben uns dort ziemlich reinquetschen müssen.
Schon kurz hinter Kazanluk kann man die Kirche aus Schipka mit ihren goldenen Kuppeln sehen. Kurz hinter der Stadt führt dann eine Straße hoch zum Schipka Pass, einem stark umkämpften Gebiet beim bulgarischen Befreiungskampf. Hier hinderten 5500 Russen die Türken am weiteren Vordringen, um ihre Truppen zu verstärken. Wohl eine der blutigsten Episoden in dem Krieg und der erste Hinweis auf die Befreiung.
Es gibt eine Wanderung, die den gesamten Rücken des Balkan entlang führt, mit entsprechenden Hüttchen zum Übernachten. Diese führt auch an diesem Pass vorbei, wir sind jedoch nur einen kleinen Ausschnitt davon gelaufen. Immerhin 13997 Schritte.
Nach einer Übernachtung in dem kleinen Örtchen Kmetovski sind wir von einem ca. 5 km entfernten Ort nach Trjavna gelaufen, einer Holzschnitzerstadt. Da die Wanderung nur sehr kurz war (11750 Schritte), sind wir am Nachmittag noch in das Freilichtmuseum Etar bei Gabrovo gefahren. Dort wird in vielen Hüttchen klassisches Handwerk gezeigt und man kann dort auch direkt vom Hersteller kaufen. Zum Beispiel Fettgebackenes, Küchenutensilien aus Kupfer, schöne Holzschüsseln, Ikonen, Keramik, Süßes, ... Auch wenn es eher klein ist und man sich an den vielen Verkäufen stören könnte, ist es dennoch einen Besuch wert.
15500 Schritte führten uns von Veliko Tarnovo zum Preobraschenksi Kloster. Die Malereien der Hauptkirche werden gerade restauriert, so dass ein Teil der Bemalung verdeckt war. Aber das Rad des Lebens war zu sehen - eine wirklich schöne Darstellung, die wieder mal von Sograf ist.
Zurück in Veliko Tarnovo ging es nach einem leichten Mittagessen zum Zarenpalast, der riesigen Festungsanlage, die man auch von weitem gut erkennen kann. Am besten hat mir dabei dir Kirche auf dem Gipfel gefallen. Moderne Malerei - aber wirklich toll! Wie immer hätte man für das Fotografieren bezahlen müssen, deswegen habe ich mir nur eine Postkarte davon gekauft. Beim Palastgebäude ist eine kleine Bühne aufgebaut, die vermutlich auch für Veranstaltungen genutzt wird, aber momentan war davon nichts zu sehen. Stattdessen bin ich auf einen der Türme geklettert, um mir die Ruinen mal von oben anzusehen. Auch sehr schick. Interessant finde ich auch immer wieder die kreative Verwendung alter Grabsteine, z.B. zur Ausbesserung von Mauern... Anschließend sind wir noch zur Kirche in Abernassi gefahren, wo wir eine sehr gute Führung hatten. In der Kirche ist wohl jeder Quadratzentimeter bemalt. Das ganze sogar zwei Mal! Da aber nicht erkenntlich ist, wie gut die erste Bemalung erhalten ist hat man nur an bestimmten Stellen, wo die oberste Putzschicht eh gebröckelt war mal kleine Öffnungen gelassen, in denen die untere Bemalung durchkommt. Von außen sieht das ganze eher unspektakulär aus, was immerhin dazu beigetragen hat, die Kirche zu erhalten. Irgendwann in der langen Zeit der Fremdherrschaft waren Kirchen mit bestimmten Aussehen verboten.
Hier habe ich mir auch endlich in einem Laden mein einziges dauerhaftes Andenken aus Bulgarien mitgebracht - 3 kleine Schüsselchen. Insgesamt war die Auswahl gerade bei Keramik vor dem Batschkovo Kloster am besten (und es war sogar noch billiger).
Wieder überqueren wir den Balkan, diesmal an einer etwas anderen Stelle, da am Shipka Pass in einer Richtung gebaut wurde. An einer anderen Gedenkstätte finden wir nicht nur ein Denkmal, sondern auch noch ein altes Kongreßzentrum, was uns schon vorher immer aufgefallen ist, weil es von weitem wie ein UFO aussieht.
In Shipka schauten wir uns die Gedächtniskirche an, deren goldene Kuppeln weithin sichtbar sind. In der Kirche kann man sich seine Ikonen segnen lassen. Ein paar streunende Katzen gab es hier auch, wie überhaupt in fast jeder Stadt wo wir waren. Anschließend kauften wir für ein Picknick ein und fuhren dann nach Buzovgrad, von wo aus wir zu einem Megalithen wanderten. Anschließend wanderten wir zu einem anderen Ort, wo uns der Bus abholte und nach Koprivschtiza brachte - 16800 Schritte. Es folgte schrittmäßig die längste Wanderung: von Koprivschtiza zum Gipfel des Bietsch - 30600 Schritte. Und anschließend noch die Besichtigung von zwei Museumshäusern und einer - kleinen aber sehr schnuckeligen - Kirche. In Koprivschtiza sind sehr viele Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten geblieben. Auch die Wasserleitung scheint aus dieser Zeit zu stammen, jedenfalls war sie eines Morgens kaputt und wir hatten jeder einen Eimer Wasser vor der Tür stehen... Immerhin, die Quelle unweit unseres Hotels sprudelte noch und nachmittags lief auch wieder das Wasser im Ort.
Insgesamt waren 4 Museumshäuser geöffnet, das Oslekovhaus (Haus eines wohlhabenden Kaufmanns, in dem typische Zimmereinrichtungen aus dieser Zeit ausgestellt waren), das Kableschkovhaus (Geburtsstätte des Revolutionärs Todor Kableschkov mit Informationen zum Aufstand und Briefen), das Debeljanovhaus (Lyriker, dessen Werke ausgestellt sind - waren wir allerdings nicht drin) und das Ljutovhaus, in dem sehr schöne Teppiche aus gepresstem Filz zu finden sind.
Auch die "Brücke des ersten Schusses" überquerten wir. Auf dieser Brücke wurde mit dem Schuß das Signal zum Aufstand gegen die Türken gegeben (Aprilaufstand 1876).
Mit einer letzten Wanderung (21000 Schritte) verabschiedeten wir uns aus Bulgarien. Diesmal ging es zum Gipfel des Bogdan. Die letzten 30 min Wanderung auf heißem Asphalt (ja, es waren deutlich über 30°C) hat uns Gott sei Dank unser Busfahrer erspart, der uns abholte. Ich war ja so was von fußlahm....und dann musste ich abends auch noch das Tanzbein schwingen!
Mihail (unser Reiseleiter) hatte es doch noch geschafft, für uns einen Folkloreabend zu organisieren. Gar nicht so einfach, wenn alles Ferien hat... Zuerst wurde für uns getanzt, dann wurde eine Geschichte gespielt. Und dann holten die Knirpse uns dazu ... fußlahm und dann zu 7/8 Musik tanzen mit Schritten, die man noch nie im Leben gemacht hat. Aber es war trotzdem sehr schön!